Reichenau: Klosterinsel

Reichenau
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Die Klosterinsel Reichenau im Bodensee ist ein herausragendes Zeugnis von der religiösen und kulturellen Rolle eines großen Benediktinerklosters im Mittelalter. Die drei romanischen Kirchen der Insel aus dem 9. bis 11. Jahrhundert veranschaulichen die frühmittelalterliche Architektur in Mitteleuropa. Die sorgfältig restaurierten Wandmalereien zeigen die Reichenau als "künstlerisches Zentrum mit großer Bedeutung für die europäische Kunstgeschichte des 10. und 11. Jahrhunderts". Die UNESCO hat die Klosterinsel im November 2000 in die Welterbeliste aufgenommen.

Im Jahr 724 gründete der Wanderbischof Pirmin das Kloster auf der "reichen Au". Die Benediktinerabtei entwickelte sich zwischen 800 und 1100 zu einem geistigen und kulturellen Zentrum des Heiligen Römischen Reiches. Der Ruhm der Klosterschule und der Bibliothek geht auf Abt Waldo (786-806) zurück, Bischof von Pavia und Regent des jungen Langobardenkönigs Pipin. Abt Heito I. erbaute die Abteikirche im 9. Jahrhundert neu, wobei er einige Grundideen byzantinischen Kirchenbaus übernahm, die er von seinen Reisen im Auftrag Kaiser Karls des Großen mitbrachte. Zu den berühmten Lehrern und Erziehern der Schule gehört Walahfrid Strabo, der mit seiner "Visio Wettini" das christliche Weltbild darlegte und Dantes "Göttliche Komödie" erklärte. Unter Abt Hatto III. (888-913) erlangte die Reichenau auch politische Macht. Als Erzkanzler des Reiches war Hatto III. Vormund Ludwigs des Kindes, des letzten deutschen Karolingerkönigs. Wissenschaften und Musik erblühten unter dem Mönch Hermann der Lahme (1013-1054). Er verfasste eine Weltchronik, auch die noch heute gesungenen marianischen Antiphonen "Alma redemtoris mater" und "Salve Regina" gehen auf ihn zurück.

Die drei Reichenauer Kirchen gelten als geistige Vororte des Abendlandes zur Zeit der Karolinger und Ottonen. Das Marienmünster, ehemals die Klosterkirche, ist heute katholische Pfarrkirche. Ihr ältester Bauteil wurde 816 geweiht. Besonders markant in der dreischiffigen Basilika sind der gewaltige Dachstuhl und die reiche Schatzkammer. St. Georg in Oberzell ist berühmt für die monumentalen ottonischen Wandmalereien aus dem 10. Jahrhundert. St. Peter und Paul in Niederzell wurde 799 vom alemannischen Bauherrn und Stifter Egino von Verona geweiht. Sehenswert sind die prächtige Orgel und die romanischen Apsismalereien.

Zu den kunstgeschichtlichen Zeugnissen aus dem 9. bis 11. Jahrhundert gehören die einzigartigen Handschriften der Reichenau, die in ganzen Bilderzyklen das Neue Testament, das Leben Jesu und die Evangelien illustrieren. Um die 40 Codices umfasst der erhaltene Bestand der "Reichenauer Malerschule".

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